Beschäftigte im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst besitzen Sonderstellung

Pauschale Aufwertungen führen zur Verzerrung des gesamten Gehaltsgefüges im öffentlichen Dienst/„Frauenberuf“ einer Kita-Erzieherin wird besser bezahlt als der eines Technikers oder Meisters/Gehälter bereits doppelt so stark gestiegen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen

Berlin. Am heutigen Montag startet die zweite Tarifverhandlungsrunde der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) für die Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst mit den Gewerkschaften ver.di und dbb beamtenbund und tarifunion. Vorab erklärt die VKA, warum sie einer erneuten pauschalen Aufwertung der Beschäftigten wie in den Tarifrunden 2009 und 2015 eine Absage erteilt und weist auf die Besonderheiten der diesjährigen Tarifrunde hin.

Karin Welge, Präsidentin und Verhandlungsführerin der VKA: „In der heutigen zweiten Verhandlungsrunde werden erste mit den Gewerkschaften vereinbarte Themen tiefergehend besprochen. Fakt ist, dass es keine Verbesserungen mit der Gießkanne im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst geben kann. Wir müssen bewerten, wo sich die Anforderungen an Tätigkeiten verändert haben. Als kommunale Arbeitgeber müssen wir das Gehaltsgefüge des gesamten kommunalen öffentlichen Dienstes im Blick behalten. Durch diese Sonder-Verhandlungsrunde der Sozial- und Erziehungsdienste darf es zu keiner Verzerrung des Gesamtgefüges der Vergütung im kommunalen Bereich kommen. Nicht zu vergessen: Bereits jetzt verdient eine Kita-Erzieherin proportional mehr als viele andere Beschäftigte in einem Ausbildungsberuf.“

Die Besonderheit der diesjährigen Tarifrunde liegt darin, dass es sich um keine „normale“ Tarifrunde handelt. Sie stellt vielmehr eine gesonderte Verhandlungsrunde zwischen zwei reinen Entgeltrunden dar. Somit profitieren die Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst nicht nur von den Ergebnissen der „normalen“ Tarifrunden und den dort vereinbarten Entgelterhöhungen, sondern erneut von dieser separaten Verhandlungsrunde. „Diese ‚Sonderstellung‘, dass also zwischen normalen Tarifrunden zusätzlich über eine bestimmte Beschäftigtengruppe verhandelt wird, besitzt nur der kommunale Sozial- und Erziehungsdienst“, erläutert Karin Welge. „Nur die dortigen Beschäftigten profitieren von diesen außerplanmäßigen finanziellen Verbesserungen und taten das auch in der Vergangenheit. Seit 2009 sind die Gehälter der Erzieherinnen und Erzieher damit fast doppelt so stark gestiegen wie die Löhne im kommunalen öffentlichen Dienst insgesamt – um bis zu 61 Prozent.“

Zugleich stellt die VKA vor Verhandlungsbeginn klar, dass die Beschäftigten in den typischen „Frauenberufen“ des Sozial- und Erziehungsdienstes, wie Erzieherinnen oder Heilpädagoginnen, nicht schlechter bezahlt werden als die Beschäftigten in so genannten Männerberufen. Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst unterscheidet nicht nach dem Geschlecht. „Für das Gehalt einer Beschäftigung im öffentlichen Dienst sind die übertragene Tätigkeit und die Berufserfahrung maßgebend“, macht Karin Welge klar. „Der typische ‚Frauenberuf‘ einer Kita-Erzieherin wird sogar besser bezahlt als beispielsweise der eines Technikers oder Meisters in einer Kommune. Dies ist den Ergebnissen der beiden Tarifrunden 2009 und 2015 im Sozial- und Erziehungsdienst geschuldet, wo neben den normalen Entgeltrunden maßgebliche zusätzliche Verbesserungen für die Beschäftigten in diesem Bereich erzielt wurden.“ Beide Berufsgruppen verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung, Meisterinnen und Meister haben aber zusätzlich nach vorheriger entsprechender Berufserfahrung eine umfangreiche Weiterbildung und erfolgreich einen entsprechenden Fortbildungsabschluss absolviert. Somit erhalten Erzieherinnen und Erzieher nicht weniger Entgelt als Beschäftigte in so genannten Männerberufen, sondern im kommunalen öffentlichen Dienst in den meisten Konstellationen sogar ein höheres Einkommen.

Die Verhandlungen finden am 21. und 22. März in Potsdam statt. Weitere Informationen zur Tarifrunde finden Sie unter: tarifrunde-sozial-und-erziehungsdienst.vka.de

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) ist der Spitzenverband der kommunalen Arbeitgeberverbände in Deutschland. Sie regelt die Arbeitsbedingungen für die kommunalen Beschäftigten und schließt Tarifverträge mit den zuständigen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes. Die VKA vertritt fast 10.000 kommunale Arbeitgeber in Deutschland mit mehr als 2,4 Millionen Beschäftigten.

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